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Tipps, wie man gute (Hochzeits-)Fotografen erkennt

Um es gleich vorwegzuschicken: ich bin gemäß meinen eigenen Kriterien nicht in der absoluten Top-Klasse. Aber immerhin weiß ich, was ich nicht weiß.
Das Gesagte gilt natürlich nicht nur für Hochzeiten.

Die Gütestufen eines (Hochzeits-)Fotografen

Level 0 - Fail

Die Masse seiner Bilder wirken selbst auf die meisten Laien nicht ansprechend, er hat manchmal Glückstreffer die er gerne mit duzenden Filtern und poppigen Farben pimpt, viel Photoshop (hallo auch Instagram-User ;-).
Wenn er Dir Fotos zeigt, sagt er Sätze wie "Das erkennt man hier nicht so, aber…", und offenbart damit, das Foto ist so schlecht ist, dass das gewünschte Bildwirkung nicht herauskommt.
Gerne schiebt er es auf seine Kamera, die ja nicht so gut sei wie das aktuelle Topmodell X. Obwohl es auf dem Foto weder hektische Bewegung noch wenig Licht gab, wo moderne Kameras Ihre Stärken ausspielen.
Von daher Vorsicht, wenn auf den Bildern Deines Hochzeitsfotografen übermäßig viel Photoshop im Spiel ist. Das soll meistens über Schwächen als Fotograf hinwegtäuschen. Und praktisch jede Kamera von heute ist besser als die Kameras vor 10 Jahren, und damals haben gute Fotografen auch schon klasse Bilder geschossen.

Level 1 - Der Realitäts-Abbilder

Er ist schon so weit, dass er sauber abbilden kann, was ihm vor die Linse kommt. Aber eben nur so, wie es sich ihm präsentiert. Die Bilder sehen für den Laien meist gut aus, aber haben häufig Ähnlichkeit mit der Standard-Postkartenansicht. Er bevorzugt Motive, bei denen das Bild was man schießen muss schon vorher offensichtlich erkennbar ist.

Level 2 - Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Er kann aus dem Ganze mehr als die Summe seiner Teile machen. Er erkennt z.B. auch ungewöhnliche aber gute Motive, an denen der Realitäts-Abbilder - der nur das Offensichtlich abbildet - vorbeiläuft. Wenn er Portraits schießt, dann transportiert das Bild mehr als die Person wie sie normal ist.
Hier ein Beispiel. Die Bilder transportieren die heilige und gefasste Stimmung. Ein Schnappschuss hätte nur die Person wie sie ist abgebildet, aber nichts darüber hinaus (siehe Realitäts-Abbilder). Der eine dort Portraitierten war IT-Berater. Ich bin sicher, seine Kollegen werden ihn auf dem Foto nicht erkennen, aber wie er in Szene gesetzt wurde transportiert er hervorragend eine Stimmung, die über sein bloßes Abbild hinausgeht.
Als Hochzeitsfotograf kann ein solcher Fotograf z.B. aus dem normalen Mädchen von Nebenan die Prinzessin und Romantik auf den Fotos transportieren (auch wenn sie vielleicht in kalter Realität nicht mit dem Bild übereinstimmt ;-)
Hier ein Beispiel von einer Hochzeitsfotografin, deren Bilder weit mehr erzählen als das was drauf ist.

Level 3 - Der Kreative aus dem Nichts

Bisher geht es um Abbildung von Dingen, die schon so existieren. Der Schwierigkeitsgrad erhöht sich massiv, wenn nichts da ist und der Fotograf erst etwas erschaffen muss.
Gemünzt auf Hochzeitsfotografen sind dies die frei vom Fotograf gestellten Bilder, meist die "offiziellen" Hochzeitsbilder. Hier muss der Fotograf selbst entscheiden, in welcher Umgebung er Euch wie genau posiert. Da er die volle Macht hat alles im Bild zu kontrollieren, sollte bei diesen Bildern eben deutlich mehr herauskommen als ein netter "bitte lächeln" Schnappschuss.
Schau Dir hier die offiziellen Bilder mehrere Sessions von Deinem Hochzeitsfotografen an. Sind es immer die gleichen seelenlosen Standardposen an immer gleichen Orten? Oder kann er sie an den Geschmack und Charakter des jeweiliges Paares anpassen?
Bei Portraits und Hochzeitsfotos sind hierbei auch psychologische Qualitäten gefragt. Er muss Dich als ungeübtes Model einfühlsam so in Stimmung und Pose bringen, wie es die Bildwirkung erfordert. Die Chemie muss also auch passen.
Ein Grund, warum einige Top-Werbefotografen so gut bezahlt werden: Es ist schwer, sich aus dem Nichts eine komplette Umgebung und Szene auszudenken, z.B. ein neues Auto perfekt so zu transportieren, dass das gewünschte Image des Wagens glaubwürdig rüberkommt. Schauen Dir allgemein einmal Markenanzeigen in teuren Magazinen an. Sie drücken immer mehr aus als auf dem Bild zu sehen ist, und haben fast nie etwas mit dem Model selbst zu tun.

Level 4 - Das Genre voranbringen

Der wirkliche Meister: Er fotografiert ein Genre so ungewöhnlich und gleichzeitig gut, wie es vor ihm andere noch nicht getan haben. Leider sehen viele Leute hierbei nur den Teil "ungewöhnlich", aber ohne das "gut". Das sind dann meist Level 0er, die meinen Sie wären Level 4er ;-).
Man könnte einwenden, dass es bei der Masse der heute aktiven Fotografen nichts geben wird, was nicht jemand anderes schon einmal probiert hätte. Aber die allermeisten Bilder sind nicht öffentlich, oder schwer auffindbar. Von daher kann man das so definieren, dass es halt nicht jeder so macht.
Bei etwas so massenhaft fotografierten wie Hochzeiten ist es natürlich schwierig, etwas Neues zu finden. Vielleicht geht in Deutschland z.B. Weiler in die Richtung.

Was die Sicht verzerrt

Schlechte Fotografen sind manchmal versteckt hinter folgenden Fassaden:

Glückstreffer

Lass einen Affen mit einer automatisch Kleinkamera durch die Straßen ziehen und 1000x auslösen. Die meisten Bilder werden Schrott sein, aber es wird mindestens eines dabei herauskommen, bei dem Du nichtsahnend sagen würdest "ungewöhnlich, aber hat was". Ist das dann Kunst? Nein, denn Kunst kommt von "künstlich", und der Affe hat die Bildwirkung ja nicht geplant oder gewollt.

Übertragen auf Hochzeitsfotografen: Wenn Du über Jahre hinweg duzende Hochzeiten pro Jahr schießt, musst Du Dich schon ziemlich blöd anstellen, um nicht 10 gute Bilder für Deine Homepage zusammenzubekommen.
Der Unterschied zwischen guten und schlechten Fotografen ist die Konstanz und Ausbeute pro Session. Lasse Dir daher einmal ALLE Bilder z.B. der letzten von ihm geschossenen Hochzeit zeigen. Nicht nur die 5 besten Fotos der letzten Jahre.

Gelegenheit, die Äpfel und Birnen

Bob und Alice schießen Tierbilder. Bob schießt Omas Dackel, wie er gerade ein Leckerli fängt. Alice schießt in Kanada einen Bären, wie er gerade einen Lachs im Bach fängt. Klar wer das eindrucksvollere Bild mitbringt, es hat aber nichts mit den Fähigkeiten der beiden als Fotograf zu tun. Vielleicht hätte Bob in gleicher Situation viel mehr aus dem Bärenschuss herausgeholt.
Bei exotischen Bildern aus fernen Länder haben wir auch keinen Vergleich, wieviel man aus einem Schuss z.B. eines malerischen Mannes mit Turban herausholen kann. Stell Dir vor, es wäre ein normaler Deutscher auf der Straße (was ein Mann mit Turban im orientalischen Raum auch ist). Wirkt das Bild immer noch besonders komponiert, oder ist es dann nur ein netter Schnappschuss?
Für die Hochzeitsfotografen-Auswahl heißt es darauf zu achten, nie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Wenn Bob zufällig eine Hochzeit in einer malerischen toskanischen Villa mit Blitzanlage im perfekten Licht fotografiert hat, muss er als Fotograf nicht besser sein als der Andere, dessen Paar leider nur im Standesamt kurz für das Foto Zeit hatte, wo kein Blitz erlaubt war.
Und kontrollierte Studio-Aufnahmen werden technisch immer perfekter sein können als Naturlicht-Aufnahmen.
Natürlich sind gute Fotografen UND gute Gelegenheit eine gute Ergänzung, zu bewundern z.B. bei Mike Larson

Drittmeinungen

In den 80ern hatte eine Gruppe Namens Modern Talking einen Hit nach dem Anderen. Eine geniale Gruppe waren sie nicht, eher seichter Pop. Aber die Leute kauften die Alben wie wild. Wenn die Mehrheit etwas gut findet, heißt das halt nicht "es ist gut" sondern "es ist durchschnittlich".
Bei Fotos ist das nicht anders. Vergleiche z.B. einmal die vermeintlich besten Galerie-Bilder auf Fotocommunity mit dem, was in echten Kunstausstellungen wirklich viel Geld wert ist. Hat üblicherweise keine Überschneidung.
Die meisten Leute sind beim Fotogeschmack halt auf Modern Talking Niveau: Bunt, laut, offensichtlich, wenig Komplexität. Pop eben. Bei Hochzeits-Portraits sind das nette Lächel-Bilder.
Wenn Du also Andere nach ihrer Meinung zu den Bildern Deines anvisierten Hochzeitsfotografen fragst, wähle die Richtigen mit Verständnis für Kunst aus. Eine Freundin die sich häufiger mal mit Kunstausstellungen oder entsprechenden Bilder im Internet auseinandersetzt ist eine wertvollere Meinungen als die große Masse derer die meinen, Schwarz/Weiß-Bilder seien schlechter weil ja die Farbe fehlt ;-)

Die Fallen

Bildrechte

Die beliebteste Falle bei Hochzeitsfotografen sind die Bildrechte. Diverse Fotografen räumen sich alle Vermarktungsrechte an den Bildern und Dir keine ein. Du würdest im digitalen Zeitalter erwarten, eine DVD mit allen hochauflösenden Original-Bilddateien zu bekommen, aber stattdessen hält er für jeden Abzug die Hand auf. Auch möchte nicht jeder seine Bilder weiterverkauft an Werbemagazinen oder Stock-Fotos wissen, wofür sich der Fotograf meist das Recht einräumt.

Gruppen/Agenturen

Einige Hochzeitsfotografen arbeiten auch eher als Agentur, in der Du einen von z.B. 4 verschiedenen Fotografen bekommst, die für den Chef arbeiten. Fotografen sind natürlich unterschiedlich fähig, und man wird Dir immer die Bilder des Besten zeigen.
Lasse Dir also die Bilder des jeweiligen Fotografen zeigen dessen Stil Dir zusagt, und den auch im Vertrag festschreiben.

Qualitätsstufe der Nachbearbeitung

Fotos nachzubearbeiten dauert viel länger sie zu schießen. Von daher gibt es einen großen Unterschied zwischen "die Bilder sind in 30 Sekunden grob ansehbar gemacht" und "jedes Foto wird in stundenlanger Kleinarbeit in Photoshop gepimpt".
Absicherung: sich alle Bilder der letzten Hochzeit zeigen lassen. Die paar Fotos auf der Homepage des Fotografen werden aus Werbegründern vermutlich stark gepimpt sein und sind daher keine Referenz ;-)

Versteckte Zusatzkosten

z.B. der Assistent wird extra berechnet, oder die Anfahrt wird als Stunde gerechnet.

 

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